Ehrenamt stößt an seine Grenzen – Landesregierung bleibt hinter Versprechungen zurück

Der Jugendhilfeausschuss des Kreistages hat in seiner letzten Sitzung über die Erstunterbringung und Betreuung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen beraten. Der Landkreis als örtlicher Jugendhilfeträger ist hier in der Pflicht. Diese Kinder und Jugendlichen reisen entweder über den Flughafen Echterdingen ein oder werden von Schleppern ausgesetzt und sich selbst überlassen. Das Kreisjugendamt nimmt sie in Obhut, bestellt einen Vormund und organisiert die Unterbringung in einer Wohngruppe. Hier kooperiert das Kreisjugendamt eng mit der Stiftung Tragwerk Kirchheim, der Stiftung Jugendhilfe Aktiv und der Kinder- und Jugendhilfe Neuhausen. Im Jahr 2014 wurden so 36 Kinder und Jugendliche betreut.

Als Sprecher der Freien Wähler im Jugendhilfeausschuss lobte Frank Buß (Plochingen) die verantwortungsbewusste Vorgehensweise des Kreisjugendamts und attestierte: „Der Landkreis Esslingen ist bei diesem sensiblen Thema sehr gut aufgestellt.“ Er begrüßte ausdrücklich, dass das Integrationsministerium mittlerweile eine landesweite Verteilung auf alle Landkreise nach einem entsprechenden Schlüssel geregelt hat. Damit wird gesichert, dass nicht nur Jugendämter an den Landesgrenzen bzw. im Gebiet von Flughäfen diese Aufgabe erfüllen müssen.

Positiv sind die Berichte der Wohngruppen der Erziehungshilfe, wonach die deutliche Mehrzahl der Kinder und Jugendlichen ihre schwierigen Problemlagen konstruktiv bewältigt und beim Spracherwerb und bei der schulischen bzw. beruflichen Bildung hochmotiviert ist. Problematisch ist jedoch, dass es im Landkreis Esslingen insgesamt nicht genügend Vorbereitungsklassen für Kinder mit sprachlichem Förderbedarf gibt. Das Erlernen der Sprache ist für das Leben in Deutschland entscheidend. „Die Landesregierung misst in ihren politischen Aussagen dem Thema Bildungsgerechtigkeit eine hohen Stellenwert ein. Sie sollte sich auch bei Asylbewerber- und Flüchtlingskindern dieser Verantwortung stellen. Es kann nicht sein, dass dringend notwendige Sprachförderangebote an fehlenden Ressourcen scheitern“, kritisiert Frank Buß. Gegenwärtig bleibe die Regierung weit hinter ihren Ankündigungen zurück. Eine Übertragung der Sprachförderung auf Ehrenamtliche lehnen die Freien Wähler ab. Ehrenamtliche leisteten viel und könnten die professionellen Deutschunterricht an den Schulen unterstützen, aber nicht ersetzen. Hier stoße das Ehrenamt einfach an seine Grenzen.

 

 

 


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