Fraktion Freie Wähler greift erneut das Thema auf – Gefordert sind in erster Linie Bund und Kassenärztliche Vereinigung (KV)

Auf Grund eines Antrags der Fraktion Freie Wähler hatte sich die letzte Esslinger Gesundheitskonferenz des Themas „Hausärztliche Versorgung“ angenommen. Eines der schmerzlichen Erkenntnisse war, dass der Landkreis wenig zu einer Verbesserung der Situation beitragen kann. Als Grundlage für eine Bewertung der Situation hat die Kassenärztlichen Vereinigung (KV) konkrete Zahlen erhoben. Zunächst waren die Arztzahlen von der KV, die für die Sicherstellung der ärztlichen Versorgung zuständig ist, immer auf den gesamten Landkreis bezogen worden. Ein Ungleichgewicht zwischen der Versorgung in den Städten und auf dem Land wurde dadurch verschleiert. Jetzt ist eine kleinräumigere Bedarfsplanung mit der Betrachtung vom „Mittelbereichen“ vorgenommen worden, nämlich Esslingen, Kirchheim, Nürtingen, Stuttgart samt Leinfelden-Echterdingen und Filderstadt. Das war ein dringend notwendiger Schritt der KV Baden-Württemberg.

Kreisweit betrachtet ist noch eine gute Versorgung vorhanden, im Bereich Esslingen liegt der Versorgungsgrad allerdings 7% unter den erforderlichen einhundert Prozent. Ob man hier der Einschätzung der KV folgen möchte, dass im Mittelbereich Esslingen die fachärztliche Versorgung sehr günstig sei und „vermutlich“ den Mangel kompensiere, muss offen bleiben.

Wenn man die Einwohnerzahlen der einzelnen Orte im Landkreis zu denen der Hausärzte und deren Altersstruktur der über 60jährigen Ärztinnen und Ärzte dazu legt, zeigt sich allerdings, dass sich in zahlreichen Städten und Gemeinden ein akuter oder relativ kurzfristig eintretender Mangel abzeichnet:

So in Altbach (5954 Einw.), Bempflingen (3393 ), Bissingen (3372), Filderstadt (44.631), Hochdorf (4600), Köngen (9554), Leinfelden-Echterdingen (37.6009), Ostfildern (37.085), Plochingen (13.689), Wernau (12.038) und auch in Aichwald (7403), trotz des in Betrieb gegangenen Ärztehauses.

In Altdorf (1572 Einw.) und Ohmden (1709) gibt es gar keinen Hausarzt. Beide Gemeinden müssen aus der Umgebung mitversorgt werden.

Was sind die Gründe für die mangelnde Attraktivität des Hausarztberufs?

  1. Sehr wichtig: Das Bruttoeinkommen ist im Vergleich zu früheren Zeiten deutlich zurückgegangen, trotz möglicherweise steigender Umsätze. Der „Verdienstkalkulator“ der AOK unter www.perspektive-hausarzt-bw.de spottet nach meinen eigenen Erfahrungen nach fast 28-jähringer Hausarzttätigkeit und nach Umfrage bei Kolleginnen aus der Umgebung, jeder Beschreibung.
  2. Ebenso wichtig: Volles Unternehmerrisiko mit z.T. existenziell bedrohenden Regressforderungen bei Budgetüberschreitungen. Und dies für Vorgänge, deren Zahlen dem Arzt konkret z.T. erst nach ca. zwei Jahren vorliegen. Unter solchen Rahmenbedingungen kann kein Unternehmen vernünftig planen.
  3. Auch die veränderte Einstellung zur „work-life-balance“ spielt eine wichtige Rolle.

Fazit:

Zusammenfassend kann man feststellen, dass Stand heute, von Hochdorf abgesehen, noch keine Unterversorgung besteht, dass sich aber in einzelnen Städten und Gemeinden durch fehlende Nachfolger durchaus kurz- oder mittelfristig Probleme abzeichnen. Der Landkreis selbst kann da so gut wie keine Abhilfe schaffen. Das ist Aufgabe der Gesundheitspolitik des Bundes und der Kassenärztlichen Vereinigungen.

(Dr. Joachim Dinkelacker)

 


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