Landkreis nimmt bis 2020 für seine Berufsschulen rd. 100 Mio. € in die Hand – Beim Neubau einer Sporthalle in Esslingen-Zell kommt die entscheidende Weichenstellung von den Freien Wählern

Schon zu Zeiten der früheren Landkreise Esslingen und Nürtingen hatte das Berufsschulwesen einen hohen Stellenwert. Angesichts der Bedeutung qualifizierter Fachkräfte im nationalen und internationalen Wettbewerb steht die Aus- und Weiterbildung junger Menschen weiterhin an der Spitze des Aufgabenkatalogs des großen Landkreises Esslingen. Im Masterplan Schulentwicklung sind die Notwendigkeiten und Wege aufgezeigt. Ein 100-Mio.-Euro schweres Paket, das der Landkreis in wenigen Jahren – Ziel ist 2020 – schultern will und muss.

Im Fokus der Beratungen des Kultur- und Schulausschusses standen, der akuten Dringlichkeit wegen, die Neubau von zwei Sporthallen in Esslingen-Zell und Nürtingen, und die Zukunft der Nürtinger Albert-Schäffle-Schule.

Was geschieht mit der Sporthalle Esslingen-Zell?

Derzeit wird die Sporthalle in Zell als Flüchtlingsunterkunft genutzt. Sobald sie wieder geräumt ist, muss über deren bauliche Zukunft entschieden werden. Für den Sport wäre sie nicht mehr nutzbar. Zunächst war eine Generalsanierung ins Auge gefasst worden, da sie vom Invest her günstiger erschien. Ein Antrag der Fraktion Freie Wähler brachte die überraschende Wende zum letztlich einstimmig beschlossenen Neubau. Die Freien hatten beantragt, nicht nur die Baukosten, sondern die sog. „Lebenszykluskosten“ für einen Zeitraum von 43 Jahren zu betrachten. Im Ergebnis ist ein Neubau um ca. 320 000 € günstiger, zusätzlich bleibt die Option einer Förderung aus Sportmitteln. Der Sprecher der Fraktion, Martin Klein, bewertete das Ausschussvotum mit den Worten „es hat sich gelohnt, nochmals umfassender darauf zu schauen“.

Befreiungsschlag für die Albert-Schäffle-Schule Nürtingen

Der Kreis hat es schwarz auf weiß. Aus bautechnischen und Brandschutzgründen darf das Schulgebäude nur noch bis 2019 genutzt werden. Wohin danach mit den mehr als 1100 Schülern, die dort unterrichtet werden? Die Fraktion Freie Wähler hatte sich auch vor Ort ein Bild von der Notwendigkeit gemacht.

Ein Vorstoß wegen eines mögliches Berufsschulzentrum auf den Fildern, das sich als nicht realisierbar erwies, führte vorübergehend zu einer Grundsatzdiskussion. Nachdem diese Variante endgültig vom Tisch war, entschied der Ausschuss schon vor einiger Zeit einen Neubau auf dem Säer in Nürtingen. Man rechnet mit Gesamtkosten von 25,5 Mio. €, zu denen vom Land 5,3 Mio. € Fördermittel erwartet werden.

Aus Gründen des engen Zeitplans und der Kostensicherheit entschied sich der Ausschuss mit den Stimmen der Freien Wähler für ein kombiniertes Vergabeverfahren „Planen und Bauen“.Wir befürworten den Neubau der ASS in NT. Das kombinierte Verfahren „Planen und Bauen“ hat sich kürzlich im Schulneubau einer Kreiskommune, nämlich bei der neuen Grundschule in Ostfildern-Ruit, bestens bewährt. Auf dieser Erfahrung können wir aufbauen. Damit haben wir die bestmögliche Planungs-und Kostensicherheit für ein solches großes Vorhaben“, begründete Martin Klein das Votum seiner Fraktion. Man müsse jetzt richtig Gas geben, um rechtzeitig 2019 in Betrieb gehen zu können. Auf Vorschlag der Fraktion wird zusätzlich in die noch zu bildende Bewertungskommission ein auf diesem Gebiet erfahrener Architekt berufen.

Voraussetzung für dieses innovative Vergabeverfahren ist ein umfangreicher Anforderungskatalog. Aufgefordert werden voraussichtlich sieben Architekten und fünf Baufirmen. Sie müssen über einschlägige Erfahrungen verfügen. Nur so sind Kostensicherheit und termingerechte Fertigstellung gewährleistet. „Unserer Fraktion sind mit Blick auf den riesigen Finanzbedarf des Landkreises, der die Städte und Gemeinden erheblich belastet, klare Entscheidungsgrundlagen wichtig. Diese liegen auf dem Tisch, sodass wir mit Überzeugung zustimmen können“, betont Martin Klein.

Sporthalle für die Philipp-Matthäus-Hahn-Schule in Nürtingen

Hier steht man seit langem im Kontakt mit der Stadt Nürtingen wegen einer evtl. gemeinsamen Realisierung. Die Finanznot der Stadt lässt derzeit keine verlässliche Prognose über ein solches Miteinander zu. Am dortigen Standort soll es 2018 losgehen.

Schulsozialarbeit

Der Fraktion sind nicht nur gute Baulichkeiten und technische Ausstattung der Schulen wichtig. Sie will sichergestellt haben, dass auch benachteiligte Schüler „mitgenommen“ werden. Nachdem an den allgemeinbildenden Schulen der Kreiskommunen Schulsozialarbeit inzwischen weitgehend Standard ist und der Landkreis diese 78 Stellen zu einem Drittel mitfinanziert (das Land zahlt auch ein Drittel), ist es nachvollziehbar, dass der Handlungsbedarf an den Schulen des Landkreises (Veränderte Schülerklientel, Cyber-Mobbing, virtuelle Gewalt ..) ebenfalls gedeckt werden soll. Pro Schule sollen 0,75 Stellen geschaffen werden. „Die Schülerschaft und die Problemlage der Schüler an den Schulen des Landkreises haben sich verändert und bedürfen einer angemessenen Berücksichtigung bei der Schulsozialarbeit. Eine Dreiviertelstelle pro Schule ist eine ordentliche Ausstattung. Die Schulen des Landkreises dürfen nicht schlechter gestellt werden als die Schulen in den Kommunen im Landkreises“, begründete Martin Klein die geschlossene Zustimmung der Freien Wähler.


Druckansicht dieses Artikels Druckansicht dieses Artikels