Bürgermeisterin Claudia Grau wie wir sie kannten – immer begegnete sie uns mit einem warmen Lächeln

Die Erste Bürgermeisterin der Stadt Nürtingen, Claudia Grau, seit der letzten Kommunalwahl Kreisrätin der Freien Wähler, ist im Alter von nur 53 Jahren an den Folgen einer heimtückischen Krankheit verstorben. Am 19. Januar wurde ihr in einer Trauerfeier in der bis auf den letzten Platz gefüllten Nürtinger Stadtkirche gedacht. Nachrufe hielten der Nürtinger Oberbürgermeister Otmar Heirich, Landrat Heinz Eininger und Altoberbürgermeister Alfred Bachofer.

 

Die Nachricht löste in Nürtingen und im Landkreis große Betroffenheit aus. Claudia Grau hatte sich weit über die Grenzen der Stadt hinaus Respekt und Wertschätzung erworben. In der Kreistagsfraktion Freie Wähler war sie in ihrer positiven und optimistischen Art überaus beliebt. „Wir verlieren eine hoch geschätzte, kompetente und sympathische Kollegin und Freundin, die eine große Lücke hinterlässt“, würdigte Fraktionsvorsitzender Bernhard Richter ihr Wirken in der Fraktion und in den Kreisgremien.

Nach Oberbürgermeister Otmar Heirich und Landrat Heinz Eininger ergriff Altoberbürgermeister Alfred Bachofer, Ehrenvorsitzender der Fraktion, bei der Trauerfeier das Wort. In sehr persönlichen Ausführungen, er war mit Claudia Grau eng verbunden, sprach er für die Freien Wähler und die Organisationen, in denen die Verstorbene ehrenamtlich tätig war.

Hier seine Ausführungen: 

Claudia Graus Lebenstraum erfüllte sich, als sie in unserer Stadt zur Bürgermeisterin gewählt wurde. Nicht allein wegen des großen beruflichen Schritts, sondern weil ihr dadurch ein umfassender Handlungsraum gegeben wurde. Eine anspruchsvolle Aufgabe, die sie mit Hingabe und Kreativität, sozialer Verantwortung und Menschlichkeit in die Hand nahm. Das hat ihr schon der Vater, selbst langjähriger Bürgermeister, mit auf den Weg gegeben.

Wir Nürtinger lernten eine Persönlichkeit kennen, die mit einem warmen Lächeln auf uns zuging, bodenständig und nah bei den Menschen. Der Auftrag aus einer alten Gemeindeverfassung, „Die Gemeinde hat sich ihrer Bürgerinnen und Bürger anzunehmen“, war ihr Verpflichtung.

Kulturelle Vielfalt, bürgerschaftlich mitgestaltet, und ein sozial geprägtes Miteinander verstand sie als „Seele“ der Stadt.

Ihre Unabhängigkeit und das Gefühl für die wirklichen Anliegen der Menschen waren Wesensmerkmale. Handeln und Sprache waren nie abgehoben, sie hörte zu und nahm gute Gedanken auf. In ganz kurzer Zeit erreichte sie in ihrer bescheidenen Art in der Bürgerschaft eine unglaubliche Beliebtheit.

Claudia Grau hatte stets einen ganz klaren Standpunkt, für den sie auch gegen Widerstand einzutreten wusste. Da konnte man ihr Temperament erleben. Manchmal wollte sie auch mit dem Kopf durch die Wand. Wenn sie überzeugt war, hat sie dennoch nicht aufgegeben.

 

Sie fasste ihre Aufgabe weit – in einer Reihe von Organisationen und Einrichtungen war sie nicht Amtsperson, sondern einfach Mensch, aktive Helferin und Mitgestalterin. Sie wirkte vor allem dort mit, wo soziales Denken und Handeln für Familien und Benachteiligte Grundlage und Inhalt waren:

Behindertenförderung Linsenhofen

Kuratorium der Kinderstiftung Esslingen-Nürtingen und Umgebung

Tagestreff für Arme und Menschen in Wohnungsnot

Haus der Familie“

Stiftung „Zeit für Menschen“

Bürgerstiftung Nürtingen

Bei den Rotariern

Sie war hingebungsvoll dabei, brachte sich tätig ein –man sah sie oft mit dem Spendenkörbchen -, suchte und fand Mitstreiter. Dank ihrer zugewandten Haltung und Kompetenz war sie respektiert und beliebt. Sie wird in dankbarer Erinnerung bleiben.

Claudia Grau sprach stets mit hohem Respekt über das Engagement der Menschen in diesen Organisationen. Es war ihr ausdrücklicher Auftrag, Ihnen dafür danke zu sagen. Und sie hofft, dass sich in einer Zeit, in der sich die Gesellschaft auseinanderbewegt, immer Persönlichkeiten finden, die geben, tätig sind und Verantwortung mittragen.

Bei ihr stand nicht das „Ich“, sondern das „Wir“ im Vordergrund. Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden in ihre Entscheidungen verantwortungsvoll eingebunden. Sie schätzte deren Einsatz sehr und stellte sich schützend vor sie, denn sie wusste um den Wert einer loyalen Unterstützung.

 

Weil Claudia Grau lange Zeit in leitenden Funktionen beim Landkreis tätig war, ging sie auch auf dieser Ebene in die Kommunalpolitik. Als freier Geist, der keine politischen Vorgaben mochte, schloss sie sich den Freien Wählern an.

Sie war stets zugänglich für unabhängige Meinungen und Personen, gleich aus welchen politischen Lagern sie kamen.

In ihrer positiven Art, ihrem Optimismus und Tatendrang, war sie in der Fraktion eine sympathische und kompetente Kollegin und Freundin. Sie vertrat die Freien Wähler mit Lebenserfahrung und umfangreichem Wissen erfolgreich im Kreistag und in mehreren Gremien, so auch im Aufsichtsrat der Medius-Kliniken. Nachdrücklich trat sie für eine gute klinische Versorgung im Landkreis ein. Jetzt hat sie voller Dankbarkeit die aufopferungsvolle medizinische und pflegerische Versorgung durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kliniken erfahren.

Claudia war eine Frau voller Kraft und starkem Willen. Kraft und Wille haben nicht ausgereicht, gegen ihre heimtückische Erkrankung anzukämpfen.

Wir Freunde und Weggefährten sagen „Adieu“ voller Dankbarkeit und Trauer.

Unser tief empfundenes Mitgefühl gilt dir, liebe Monika, euren Familien und allen, denen Claudia fehlen wird. Wir werden sie nicht vergessen, denn sie hat gelebt nach diesem Wort von Albert Schweitzer:

Das einzig Wichtige im Leben sind die Spuren der Liebe, die wir hinterlassen, wenn wir gehen.

 


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