Regionalfraktion vor Ort

Im Rahmen ihrer Vor-Ort-Termine war die Regionalfraktion Freie Wähler zu Gast beim Kommunalen Arbeitskreis Filder (KAF). Vorsitzender des KAF ist derzeit Oberbürgermeister Christoph Traub, Filderstadt, die Geschäftsführung liegt in Händen der Filderstädter Ersten Bürgermeisterin und Technischen Dezernentin Eva Noller. Ziel des Gesprächs war es, aus erster Hand zu erfahren, welche Entwicklungen des sich dynamisch entwickelnden Filderraums sich abzeichnen und welche Probleme diesen Verdichtungsraum belasten.

Kommunaler Arbeitskreis Filder (KAF)

Der Kommunale Arbeitskreis Filder (KAF) besteht seit 1967. Ziel der interkommunalen Zusammenarbeit auf den Fildern ist es, die übergeordnete Entwicklung der Filder im Blick zu haben und die Lebensqualität im Landschaftsraum zu verbessern. Mitglieder des Kommunalen Arbeitskreises Filder sind die Städte und Gemeinden Filderstadt, Leinfelden-Echterdingen, Ostfildern, Denkendorf, Neuhausen und Steinenbronn. Auch die Landeshauptstadt Stuttgart und die Stadt Esslingen sind aufgrund ihrer auf den Fildern liegenden Stadtteile Mitglieder im KAF. Die gemeinsame Verantwortung und das gemeinsame Wirken für den Filderraum waren in den letzten Jahren die Grundlage für die Realisierung wichtiger Projekte wie der Landschaftspark Filder und die FilderRadRunde.

Die Filderstudie

Der Filderraum hat viele Gesichter

Im Jahr 2017 hat der KAF gemeinsam mit dem Verband Region Stuttgart eine Studie zur Untersuchung und Weiterentwicklung der räumlichen Wachstumspotenziale im Filderraum durch die Erweiterung des Knotenpunkts Messe, Flughafen und S-Bahnanschluss durch ICE- und Regionalbahnhalt in Auftrag gegeben. Sie wurde vom Frankfurter Planungsbüro Albert Speer + Partner im Dialog mit den Filderkommunen erstellt.

Im Ergebnis sieht die Filderstudie die Weiterentwicklung der bestehenden Siedlungsstrukturen zu dezentralen Transitknoten vor und eine Konzentration von gewerblichen Strukturen an der Verkehrsdrehscheibe am Flughafen. Es soll also sowohl die lokalen Identitäten durch Innen- und Weiterentwicklung der Städte und Dörfer gestärkt als auch die Erreichbarkeitsvorteile durch Entwicklung der Mobilitätsdrehscheibe am Flughafen und dem Umfeld als Wirtschaftsflächenschwerpunkt genutzt werden. Weiter Außenentwicklungen sollen sich auf besonders geeignete Flächen an den Entwicklungsachsen fokussieren und die Landschaftsräume dazwischen freihalten. Dabei ist als wesentliches Kriterium die Erreichbarkeit durch Schieneninfrastruktur zu beachten.

v.l.n.r. EBM Eva Noller, OB Andreas Hesky, EBM Rainer Lechner, BM Susanne Schreiber

Information und Diskussion

Fraktionsvorsitzender Andreas Hesky betonte in seiner Begrüßung die wirtschaftliche Bedeutung der Filderregion für die Gesamtregion Stuttgart und das Land Baden-Württemberg. Man wisse aber auch um die Belastungen, die aus dem Mobilitätsknoten mit Schiene, Autobahn und B 27, Flughafen, S-Bahn und Stadtbahn resultierten. Regionalplanung und Verkehrsplan des Verbands Region Stuttgart müssten sich permanent dieser Herausforderung stellen.

Ein massives Versäumnis der Landesregierungen aller Couleur sei in der Verschleppung des Nordost-Rings und der Filderauffahrt zu kritisieren. Mit diesen Maßnahmen könne man eine erhebliche Reduzierung der Schadstoffbelastung und damit den Verzicht auf die umstrittenen Fahrverbote bewirken. Kurzfristig wirksame Lösungen seien die Verdichtung des S-Bahnangebots und elektrische Schnellbusse. Für einen auch in der Zukunft funktionierenden Filderraum seien ein guter ICE-Anschluss und die S-Bahn-Verbindung ins Neckartal.

Erste Bürgermeisterin Eva Noller (auch Kandidatin zur Regionalwahl) stellte anerkennend fest, das sich erstmals eine Fraktion der Regionalversammlung der Diskussion vor Ort stelle. Anhand einer Präsentation der Filderstudie zeigte sie die Aufgabenstellungen des KAF und die bestehenden Konflikte auf. Die Siedlungsentwicklung könne nicht mehr im „Gießkannenprinzip“ erfolgen, sondern müsse sich an vorhandenen und geplanten Schienenanbindungen (S-Bahn und Stadtbahn) ausrichten. Das Straßennetz sei schon heute völlig überlastet. Vor allem die Tangentialverbindungen müssten ausgebaut werden, insbesondere die S-Bahn-Verlängerung über Neuhausen hinaus ins Neckartal. Deutliche Kritik übte sie an der Unterbrechung der S-Bahn-Bedienung als Folge der Baumaßnahmen für Stuttgart 21. Es müssten wirkungsvolle Ersatzverbindungen eingerichtet werden.

Unterstützung bekam sie von ihrem Kollegen Rainer Lechner, Erster Bürgermeister in Ostfildern, und langjähriger KAF-Geschäftsführer. Er führte aus: „Der Entwicklungsdruck auf die Filder ist durch die Bündelung überregionaler Infrastrukturen wie BAB 8, B 27, Flughafen, Messe , Fernbusbahnhof schon hoch und wird mit den IC-Bahnhof nochmals zunehmen. Weitere Flächenentwicklungen für Wohnungsbau und Gewerbe benötigen eine nachhaltige Verkehrsinfrastruktur. Wir erleben auf der Filder heute schon zweimal täglich den Verkehrsinfarkt. Leistungsfähige Straßen und ein attraktiver ÖPNV sind Grunderfordernisse auch für die Filderregion. Bereits heute gibt es deutliche Defizite in der Verkehrsinfrastruktur – fehlende Filderauffahrt und keine eindeutige Trasse für eine tangentiale Schienenverbindung von Neuhausen ins Neckartal. Alle politischen Ebenen müssen die Dringlichkeit von Flächenentwicklungen mit Lösungen der verkehrlichen Defizite auf der Zeitachse deutlich näher zusammenbringen.“

Regionalrat Frank Buß griff diese Problematik auf und führte u.a. aus:

„Um die Herausforderungen dieser Raumschaft zu meistern, ist zwischen den Kommunalpolitischen Ebenen Kommune – Landkreis – Region ein vernetztes Denken erforderlich. Dies zeigt sich insbesondere beim wichtigen Bau des dritten Gleises am Flughafenbahnhof, der mit massiven Beeinträchtigungen im ÖPNV verbunden sein wird. Die Verlängerung der U6 bis zum Flughafen, die Inbetriebnahme der U17 und der Bau einer Interimshaltestelle am Flughafen sind zwingende Voraussetzungen. Der Schienersatzverkehr muss fahrgastfreundlich mit hoher Betriebsqualität und zuverlässig angeboten werden.

Wichtigstes verkehrspolitisches Ziel der Regionalversammlung in der kommenden Amtszeit ist die Tangentialverbindung Neckartal – Filder, als Voraussetzung für einen wirksamen Ausbau des schienengebunden ÖPNV im Landkreis Esslingen. Nur die Verbindung Wendlingen – Flughafen mit Bahnhöfen in den Filderkommunen schafft attraktive Angebote, um Pendler zum Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel zu bewegen. Dieses Projekt muss in den nächsten Jahren entscheidend vorangebracht werden.“

An der konstruktiven Debatte beteiligten sich der langjährige Geschäftsführer des KAF, Kreisrat Rainer Lechner, Robert Hertler, der wie Lechner für die Regionalversammlung kandidiert, Regionalrat Johannes Züfle und Bürgermeisterin Susanne Schreiber, Filderstadt. Man war sich in der Runde einig, dass in den kommenden Jahrzehnten enorme Kraftanstrengungen unternommen werden müssen, um der Wirtschaft und den Menschen, die im Filderraum leben, tragfähige Bedingungen zu schaffen.

 


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