Das erst 40 Jahre alte Gebäude des Landratsamts in Esslingen, Pulverwiesen, muss aus einer Reihe von Gründen (Brandschutz, überholte Haus- und Gebäudetechnik etc.) entweder generalsaniert oder aber neu gebaut werden. Ein umfangreiches bautechnisches Gutachten zeigt auf, dass ein Neubau- bezogen auf die Lebenszykluskosten – wirtschaftlicher ist als eine Generalsanierung. Im Verlaufe der intensiven Diskussion um eine finanziell und organisatorisch machbare Lösung wurde die Idee geboren, einen Teil des Raumbedarfs am Standort des ehemaligen Krankenhauses in Plochingen zu realisieren.

Durch einen vorgezogenen Neubau in Plochingen verschafft sich der Landkreis Luft für den notwendigen Abbruch und Neubau in Esslingen. Die Kosten für die Teilmaßnahme in Plochingen (inklusive Abbruch des ehemaligen Personalwohngebäudes, Bau eines Parkdecks sowie Ausstattung und Möblierung) werden auf rd. 41 Mio. € geschätzt. Der Neubau in Esslingen wird voraussichtlich 143 Mio. € kosten. Eine Entscheidung darüber ist noch nicht gefallen.

Mit der Plochinger Maßnahme befasste sich der Kreistag in seiner letzten Sitzung. Es wurde folgender Beschluss gefasst:

1. Dem letztverbindlichen Angebot des Bieters Georg Reisch GmbH + Co. KG, vom 30.09.2019 für den Verwaltungsneubau wird zugestimmt.

2. Der Bau- und Vergabebeschluss für den Abbruch des Personalwohngebäudes mit Neubau eines Verwaltungsgebäudes wird entsprechend des letztverbindlichen Gesamtpauschalfestpreises der Georg Risch GmbH + Co. KG vom 30.09.2019 in Höhe von 30.638.579 EUR erteilt.

3. Die Verwaltung wird ermächtigt, den Zuschlag (vgl. Ziffer 2) an die Georg Reisch GmbH + Co. KG zu erteilen und den dafür notwendigen Planungs- und Bauvertrag abzuschließen.

4. Kenntnisnahme vom Sachstand des laufendes Vergabeverfahrens zum Neubau Parkdeck am Standort Plochingen.

Redebeitrag der Fraktion Freie Wähler

Es sprach deren Vorsitzender, Bürgermeister Bernhard Richter:

„Bevor ich ein paar Worte zum konkreten Tagesordnungspunkt Verwaltungsneubau und Parkdeck in Plochingen sage, gestatten Sie mir, das ganze Projekt im Gesamtkontext zu beleuchten. Dass das Verwaltungsgebäude hier am Standort in Esslingen aus unterschiedlichen Gründen, wie zum Beispiel dem Brandschutz, stark sanierungsbedürftig ist, ist glaube ich unstreitig.

Durch ständig neue gesetzlich zugewiesene Aufgaben ist auch die Mitarbeiterzahl stark gestiegen.

Schwer zu vermitteln ist allerdings, dass ein 40-Jahr altes Gebäude abgerissen werden soll und durch einen Neubau ersetzt wird. Damit haben wir uns in einigen Sitzungen sehr kritisch auseinandergesetzt. Uns ist schlüssig dargelegt worden, dass eine Neubaulösung wirtschaftlicher ist, als die Sanierung des Altbestandes.

Deshalb haben auch wir Freien Wähler den Weg mitgemacht, uns über Neubauplanungen Gedanken zu machen. Die jetzige Variante sieht Neubauten an zwei Stellen vor – in Plochingen und am alten Standort hier in Esslingen.

Diese Aufteilung macht aus wirtschaftlichen Gründen tatsächlich Sinn. Durch den neuen Standort in Plochingen können gewisse Synergien auf der einen Seite genutzt werden, auf der anderen Seite aber auch Bauabläufe verbessert und Interimskosten gespart werden.

Das dargestellte Verfahren ist schlüssig, wir stehen auch zu Planen und Bauen und das Ergebnis ist für uns nachvollziehbar. Es freut uns auch, dass trotz der hohen ökologischen und innovativen Standards der Kostenrahmen eingehalten wird – und das ist heutzutage alles andere als selbstverständlich.

Insoweit stimmen wir dem heutigen Beschlussvorschlag zu.

Was aber wichtig für uns ist – das ist der erste Schritt. Der zweite Schritt Neubau in Esslingen ist damit nicht automatisch mitbeschlossen.

Wir Freien Wähler haben immer wieder betont, dass wir das Projekt unterstützen und mitgestalten wollen, aber nicht unendlich. Für uns war und ist die Gesamtkostensituation und damit die Finanzierbarkeit des Projekts sehr wichtig. Sollten also die Kosten explodieren, werden wir darauf drängen, das Fass nochmal aufzumachen. Das wäre für uns dann ein Punkt, wo wir uns über einen Kostendeckel oder über die Überprüfung des Raumprogramms oder über eine Neubewertung der Wirtschaftlichkeit gegenüber der Sanierung unterhalten müssen.

So handelt jeder Kaufmann und im Übrigen jede Kommune.

Das ist mir insoweit wichtig, weil bereits jetzt in der Öffentlichkeit sehr kontrovers diskutiert wird, ob man einen Neubau des Verwaltungsgebäudes überhaupt benötigt. Diese Diskussion bringt uns zum jetzigen Zeitpunkt allerdings nicht weiter – die Alternative heißt sofortige Sanierung – und wie ich eben schon sagte, wäre dies bei den aktuellen Zahlen unwirtschaftlicher.

Wir sind gespannt, was die weitere Planung beim Standort Esslingen erbringt.“

 

 


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