Das Integrierte Klimaschutzkonzept des Landkreises Esslingen und 26 seiner Städte
und Gemeinden (IKK) wurde im Ausschuss für Technik und Umwelt (ATU) und in Abstimmung mit den Fraktionen durch Eilentscheidung des Landrats in Kraft gesetzt. Dieser Meilenstein der Kreispolitik war Gegenstand der Sitzung des Kreistags am 23. Juli in der FILHarmonie  in Filderstadt. Für die Fraktion Freie Wähler sprach Kreisrat Bürgermeister Günther Riemer. Hier der Wortlaut seiner Rede:

 

„Ich will etwas für den Klimaschutz tun, aber nicht immer nur mit dem Fahrrad fahren“

Diesen Satz habe ich vor kurzem gehört und er passt ideal zur Diskussion um das integrierte Klimaschutzkonzept für den Landkreis Esslingen.

Uns liegt eine Arbeit vor, die einen breiten Katalog der Möglichkeiten und Chancen aufzeigt, nicht nur die Nutzung des Fahrrades.

Bürgerinnen und Bürger, Handel und Gewerbe, Verbände und Institutionen, Verwaltungen: wir alle haben eine große Auswahl von Möglichkeiten was wir tun können um aktiven Klimaschutz zu betreiben. Dass dieses nötig ist, ist für mich unbestritten. Gewohnheiten müssen sich verändern und wir haben auf vielen Ebenen gute Chancen aktiver Vorreiter im Klimaschutz zu sein. Im Übrigen bin ich sehr hoffnungsfroh, hat doch die Corona Pandemie gezeigt, dass Dinge plötzlich schnell akzeptiert und praktiziert werden, wenn es ernst wird. Und es ist ernst!!

Das Thema geht uns alle an und daher bin ich sehr froh, dass der Prozess zur Entstehung des integrierten Klimaschutzkonzeptes ein breit angelegter war. Nicht nur die Verwaltung des Landkreises, sondern auch 26 weitere Kommunen, die noch kein Klimaschutzkonzept hatten, sind dabei und ergänzen im Sinne eines flächendeckenden landkreisweiten Klimaschutzes diejenigen, die bisher schon aktiv mit Ihren Konzepten waren. Beim Blick auf dieses Werk können diejenigen, die nicht dabei waren, eigentlich nur bedauert werden.

Die starke Beteiligung ist ein wichtiger Erfolg für diese bedeutende Gemeinschaftsaufgabe. Damit dieses Konzept nicht in den Schubladentiefschlaf verfällt, wurde bereits gehandelt und wir von der Fraktion der Freien Wähler unterstützen uneingeschränkt auch das weitere Agieren. Wir begrüßen ausdrücklich die Dynamik beim Aufbau der Klimaschutzagentur, die einen umfassenden Neuanfang beim Thema Energiesparen und Klimaschutz im Landkreis erreichen kann. Und das flächendeckend. Hoffentlich beteiligt sich lokale Wirtschaft auch dabei.

Für diese Aufgabe ist Personal notwendig, erste Stellen sind geschaffen, weitere Personalausstattung steht an. Die Konzeption hat damit die herausgehobene Chance durchzustarten.

Das Handeln von Städten, Gemeinden und der Landkreisverwaltung ist eines, das reicht aber bei weitem nicht aus.

Wir müssen die Menschen motivieren mitzumachen.

Mitmachen auf vielen Ebenen, ich wiederhole es noch einmal, das Klimaschutzkonzept mit seinem sehr umfangreichen Maßnahmenkatalog bietet die besten Möglichkeiten für alle sich das herauszusuchen, was passt, um aktiv am Klimaschutz zu mitzuarbeiten.

Wir setzen auf das Engagement der Wirtschaft. In unserer Region gibt es viele kluge Köpfe und engagierte Unternehmen. Auch hier im Kreise unserer Kreistagsmitglieder sind Unternehmen, die sich vorbildhaft für den Klimaschutz engagieren weil sie davon überzeugt sind, dass es um unserer Zukunft geht aber auch weil Sie davon überzeugt sind, dass sich Ökologie und Ökonomie vereinbaren lassen. Beispiele gefällig?

  • Die Elektrifizierung der Mobilität auf Schiene und Straße, mit Motor und zur Unterstützung der Muskelkraft,
  • Energieerzeugung auf regenerativer Basis,
  • Effizienzsteigerungen bei Maschinen und Geräten und am Ende der Nutzung
  • Das Recyceln von wertvollen, wiederverwendbaren Materialien.

Wir setzen auf Motivation und Engagement, mehr als auf Vorschriften und Kontrolle. Die klugen Köpfe, die den wirtschaftlichen Wohlstand und die Kreativität in unserer Region prägen, haben sicher viele Ideen und Gedanken, mit welchen Maßnahmen wir noch klimafreundlicher, effektiver und zukunftsfähiger unterwegs sein können. Gerade im Bereich der Mobilität stehen uns große Herausforderungen sowohl auf der Seite der Unternehmen als auch beim Verhalten der Bevölkerung bevor.

Vergessen sollten wir nicht die Klimafolgenanpassung. Bereits heute spüren wir die Folgen des Klimawandels. Trockenheit auf landwirtschaftlichen Anbauflächen, zunehmende extreme Wetterereignisse und Wanderungsbewegungen von Menschen aus Zonen dieser Welt, bei denen die Klimaveränderung bereits zu unerträglichen Lebensverhältnissen geführt hat. Das sind Beispiele, die uns zu denken geben aber auch zum Handeln animieren müssen.

Wir müssen lernen, wie wir mit trockeneren, schwüleren Sommern umgehen und mit schneearmen, feuchteren Wintern.

In diesem Zusammenhang reden wir schnell über Gesundheit der Menschen und deren Beeinträchtigung.

Dem Gremium liegen zwei Anträge der SPD Fraktion vor.

Dem ersten Antrag können wir zustimmen. Es ist sinnhaft, dass wir uns auch am Pariser Klimaabkommen orientieren. Die Erhöhung der Durchschnittstemperatur um 1,5°C ist anerkanntes Ziel und von der Bundesregierung unterzeichnet. Der zweite Antrag wird von uns mit Skepsis betrachtet, weil wir damit schon vor dem Start über ein Kontrollgremium sprechen. Wir wollen, dass die Landkreisverwaltung ins Handeln kommt und nicht mit aufwändigen Ausarbeitungen zu Gremienberatungen beschäftigt wird. Diese Energie sollten wir, wie oben schon angesprochen, in aktives Tun umsetzen.

Mein Dank gilt all denjenigen, die jetzt über mehrere Jahre intensiv am integrierten Klimaschutzkonzept gearbeitet haben. Es sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Landkreisverwaltung unter Ihrer Führung, Frau Dr. Leuze-Mohr, den 26 Kommunen, die sich an der Erarbeitung des IKK beteiligt haben und mit den vorliegenden Steckbriefen nun viele lokale Handlungsempfehlungen bekommen haben, den Kommunen, die bereits mit Klimaschutzkonzepten arbeiten und uns mit Ihrem Wissen und Erfahrungsschatz unterstützt haben. Organisationen, Unternehmen, Bürgerinnen und Bürger aus dem Landkreis, die intensiv und engagiert den Prozess unterstützt und begleitet haben.

Wie gesagt, es gilt:

jeder hat die Chance mitzumachen, jeder muss mitmachen.

Es ist an der Zeit und duldet keinen weiteren Aufschub.

Packen wir es an.

 


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