Dieses durchaus beeindruckende Gebäude des Landratsamts Esslingen muss nach 43 Jahren einem Neubau Platz machen

Kreistag am 25. März – Abbruch und Neubau des Landratsamtsgebäudes in Esslingen beschlossen. Auf den ersten Blick mag es unverständlich sein, ein gerade mal 43 Jahre altes Gebäude abzubrechen und für 144 Mio. € einen Neubau zu errichten. Die Fraktion Freie Wähler hat es sich mit ihrer Entscheidung nicht leicht gemacht. Umfangreiche Untersuchungen haben aufgezeigt, dass der 1978 in Betrieb gegangene Altbau weder vom Bauzustand noch von der Raumaufteilung und dem energetischen Zustand erhaltenswert ist. Der nun beschlossene Neubau ist unter Berücksichtigung der Lebenszykluskosten deutlich günstiger.

In dem architektonisch anspruchsvollen Baukörper werden in flexibler Raumaufteilung 675 Arbeitsplätze entstehen. Im Verfahren „Planen und Bauen aus einer Hand“ wurde das Stuttgarter Bauunternehmen Züblin AG in Kooperation mit den BFK Architekten, ebenfalls aus Stuttgart, beauftragt. Der Pauschalfestpreis für das Gebäude beläuft sich auf  123,5 Mio. €. Rd. 20 Mio. € werden für Ausweichlösungen während der Bauzeit, Mobiliar und Bürotechnik und Unvorhergesehenes veranschlagt. Die Bezugsfertigkeit ist für Mitte 2026 vorgesehen.

Wenn Sie sich vertieft mit den Beratungsunterlagen befassen möchten, können Sie hier die Sitzungsvorlage und die Gesamtschau der Kosten aufrufen.

Fraktionsvorsitzender Bernhard Richter begründet die Entscheidung seiner Fraktion für einen Neubau

Fraktionsvorsitzender Bernhard Richter führte in der Sitzung aus:

“ Herr Landrat, liebe Kolleginnen und Kollegen, meine sehr geehrten Damen und Herren,

der geplante Neubau des Landratsamts in Esslingen hat öffentlich ziemlich viel Staub aufgewirbelt. Wir können das auch sehr gut nachvollziehen, da es schwer vermittelbar ist, ein rund 40 Jahre altes Gebäude abzureißen und durch ein neues zu ersetzen. Deshalb standen wir Freien Wähler am Anfang des Prozesses dem Neubau auch sehr kritisch gegenüber. Viel musste untersucht und überdacht werden und vor allen Dingen wollten wir schlüssig nachgewiesen bekommen, inwieweit ein Neubau in der Wirtschaftlichkeit der Komplettsanierung mit zusätzlichem Anbau gegenübersteht.

Natürlich sind 123 Millionen Euro eine stolze Summe, wenn man aber einen Altbau nach heutigen Vorschriften sanieren muss, wenn digitale Rahmenbedingungen im Gebäude nicht vorhanden sind, wenn der Brandschutz nicht mehr stimmt und Energiestandards beim damaligen Neubau keinerlei Rolle gespielt haben – dann ist schon klar, dass eine Komplettsanierung bedeuten würde, das gesamte Gebäude auf den Kern zurück zu bauen und dann neu wiederaufzubauen. Da die Kapazität der benötigten Arbeitsplätze im alten Landratsamt allerdings nicht ausreicht, würde eine Altbausanierung eben nicht reichen – vielmehr müsste der Bestand noch durch einen Anbau ergänzt werden.

Um es kurz zu machen, die Wirtschaftlichkeit des Neubaus gegenüber der Sanierung mit Anbau wurde sehr schlüssig nachgewiesen.

Es gibt aber auch noch einige andere Aspekte, die hierbei eine Rolle spielen. Eine moderne Verwaltung braucht heute eben auch die entsprechende Funktionalität. Die Vernetzung innerhalb des Hauses, die entsprechende Hardware, ein Drei-Zonen-Prinzip der Trennung von Frontoffice und Backoffice und eben einem dritten Bereich – einer halböffentlichen Zone – sind Dinge, die im alten Landratsamt schlichtweg nicht vorhanden sind. Ich möchte an dieser Stelle zu bedenken geben, dass in der Konkurrenz um die klugen Köpfe im Großraum Stuttgart die Attraktivität des Arbeitsplatzes eine große Rolle spielt. Auch das Thema Kinderbetreuung für die MitarbeiterInnen kann im Neubau durch die Einrichtung einer Kita gewährleistet werden.

  • Für uns aber auch mitentscheidend war der Ökologische Fußabdruck. Hier schneidet der Neubau gegenüber Sanierung und Anbau besser ab. Mit dem Neubau erfüllen wir hohe Klimastandards. Wir haben ein hochwertiges Energiekonzept.
  • Wir erfüllen den KFW 40 Standard.
  • Mit dem Prinzip Cradle to Cradle (C2C) berücksichtigen wir die nachhaltige Kreislaufwirtschaft, da wir beim Bauvorhaben RC-Beton verwenden.
  • Bei der Anzahl der Stellplätze haben wir uns bewusst für die baurechtliche Mindestanzahl entschieden.

 

Mit einem ÖPNV-Förderprogramm für die MitarbeiterInnen sowie dem in der letzten Sitzung beschlossenen Radlerbonus gibt es hier Bausteine dafür, nicht mit dem Auto zum Arbeitsplatz zu fahren. Wir Freien Wähler wollten noch weiter gehen und alle, die nicht mit dem Auto kommen, direkt fördern – leider haben das die anderen Fraktionen nicht mitgetragen.

Mit all diesen Maßnahmen werden wir nicht nur unserer Vorbildfunktion als öffentlicher Hand gerecht, sondern setzen mit diesem Neubau auch Maßstäbe im Bereich des Klimaschutzes. Das äußere Erscheinungsbild setzt im Landkreis mit dem Neubau ebenfalls eine markante architektonische Adresse. Über Städtebau und moderne Architektur kann man natürlich immer streiten. Mit etwas Fantasie könnte man sich mit der gelegten Acht auch eine Fußballarena vorstellen. Dies wird nicht bei allen auf positive Resonanz stoßen. Aber jede zeitliche Epoche hat ihre Architektur – sicher finden auch sehr viele Menschen im Landkreis den jetzigen Landratsamtsbau nicht besonders gelungen.

Letztlich haben wir Freie Wähler uns von den Argumenten  Wirtschaftlichkeit, Funktionalität, Klimaschutz bzw. dem ökologischen Fußabdruck überzeugen lassen und stimmen dem Bauvorhaben zu und setzen es somit aufs Gleis.“